Bewerbungsschreiben

Einleitung im Bewerbungsschreiben: Vom Stelleninserat zum ersten Satz

Einleitung im Bewerbungsschreiben: Aufhänger im Inserat finden, drei Entwürfe, sechs Vorher-Nachher-Beispiele. 74% der Schweizer Arbeitgeber lesen genau hin.

 

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Die Einleitung im Bewerbungsschreiben schreibst du nicht aus dem Nichts. Der beste erste Satz steckt fast immer schon im Stelleninserat. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du den Aufhänger im Inserat findest, wie aus einer Floskel in drei Entwürfen eine starke Einleitung wird, und wie sechs schwache Einleitungen nach der Überarbeitung aussehen. Dazu: der richtige Schweizer Ton und was in der Romandie anders ist.

Lohnt sich der Aufwand für zwei, drei Sätze? Ja. 74% der Schweizer Arbeitgeber halten das Bewerbungsschreiben für wichtig oder sehr wichtig (JobCloud/LINK, 2022). Und die Einleitung lesen sie zuerst.

Dazu kommt ein neuer Effekt: Unternehmen schätzen, dass rund 39% der Bewerbungen teilweise mit KI entstehen, und 55% trauen sich zu, solche Texte zu erkennen (AMOSA, 2026). Eine Einleitung, die auf jede Stelle passen könnte, wirkt deshalb schnell wie ein Standardtext. Eine, die das Inserat aufnimmt, nicht.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Aufhänger für den ersten Satz steht meist schon im Stelleninserat.
  • Schreib die Einleitung in mehreren Entwürfen: zuerst den Inhalt, dann die Form.
  • Schweizer Ton: selbstbewusst in der Sache, bescheiden in der Form.
  • Schreib die Einleitung in der Sprache des Inserats.

Wo findest du den Aufhänger für die Einleitung?

Im Stelleninserat. Es verrät, was dem Unternehmen wichtig ist: Aufgaben, die zuerst genannt werden, Wörter, die mehrmals vorkommen, und Sätze, die über die Standardanforderungen hinausgehen. Genau dort setzt deine Einleitung an. Ein auf die Stelle zugeschnittenes Schreiben brachte in einem Experiment 53% mehr Rückmeldungen als keines (ResumeGo, 2020).

Das folgende Inserat ist erfunden. Die markierten Stellen sind mögliche Aufhänger.

✅ Beispielinserat: Stellvertretende Filialleitung 80-100%, Beispiel Sport AG, Chur

Unsere Filiale in Chur wächst: [A] Ab Frühling 2027 bieten wir zusätzlich einen Skiservice an. Für unser Team von zwölf Mitarbeitenden suchen wir eine stellvertretende Filialleitung.

Ihre Aufgaben: Sie vertreten die Filialleitung, [B] planen die Einsätze für Verkauf und Werkstatt und betreuen unsere Lernenden.

Ihr Profil: Abgeschlossene Lehre im Detailhandel, Erfahrung im Sportfachhandel, [C] Freude am Kontakt mit Gästen aus dem In- und Ausland.
Markierung Was sie verrät Möglicher Aufhänger
[A] Neuer Skiservice Die Filiale baut etwas Neues auf Eigene Erfahrung mit Service oder Werkstatt
[B] Einsätze für Verkauf und Werkstatt Zwei Bereiche müssen koordiniert werden Erfahrung mit Einsatzplanung
[C] Gäste aus dem Ausland Tourismusregion, Sprachen gefragt Sprachkenntnisse und Beratung von Feriengästen

Welchen Aufhänger wählst du? Den, zu dem du den stärksten eigenen Beleg hast. Oft ist das nicht die Hauptanforderung, sondern das, was neu oder ungewöhnlich ist. Neue Projekte beschäftigen ein Team besonders, und wer dazu etwas beitragen kann, fällt auf.

Wie wird aus einer Floskel eine gute Einleitung?

In drei Entwürfen. Im ersten schreibst du einfach los, im zweiten ersetzt du Allgemeines durch Konkretes, im dritten kürzt du. Selina Marti, Detailhandelsfachfrau EFZ, bewirbt sich auf das Inserat oben. Person und Firma sind erfunden. So entwickelt sich ihre Einleitung.

❌ Entwurf 1: einfach losgeschrieben

«Hiermit bewerbe ich mich mit grossem Interesse auf die Stelle als stellvertretende Filialleiterin, die ich auf Ihrer Website gesehen habe. Ich bin eine motivierte und teamfähige Person und würde mich freuen, Teil Ihres Teams zu werden.»

- Zwei Floskeln im ersten Satz
- Fundort ohne Bedeutung
- Eigenschaften ohne Beleg
- Würde auf jede Stelle passen
📋 Entwurf 2: konkret, aber zu lang

«Ich habe gelesen, dass Sie in Chur ab Frühling 2027 einen Skiservice anbieten werden, und das finde ich sehr spannend, weil ich in meiner jetzigen Stelle in einem Sportgeschäft in Davos seit drei Jahren nicht nur im Verkauf arbeite, sondern im Winter auch in der Werkstatt aushelfe und dort die Einsätze für das Serviceteam plane. Deshalb bewerbe ich mich als stellvertretende Filialleiterin.»

Besser: Bezug zum Inserat, eigener Beleg
Noch nicht gut: ein Satz mit über 50 Wörtern, «sehr spannend» sagt nichts
✅ Entwurf 3: die fertige Einleitung

«Ab Frühling 2027 bieten Sie in Chur einen Skiservice an. Genau diese Verbindung von Verkauf und Werkstatt kenne ich aus Davos, wo ich seit drei Jahren im Winter die Einsätze für Verkauf und Service plane. Diese Erfahrung möchte ich als stellvertretende Filialleiterin bei Ihnen einbringen.»

Satz 1: nimmt Markierung [A] auf
Satz 2: verbindet [A] und [B] mit dem eigenen Beleg
Satz 3: nennt die Stelle und leitet zum Hauptteil über

Der dritte Entwurf hat 45 Wörter, kommt ohne Floskel aus und könnte nur von Selina stammen. Die Sprachkenntnisse aus Markierung [C] verschiebt sie in den Hauptteil. Eine Einleitung muss nicht alles sagen. Wie der Hauptteil anschliesst, zeigt der Beitrag zum Hauptteil des Bewerbungsschreibens.

Wie sehen gute Einleitungen in besonderen Situationen aus?

Nicht jede Bewerbung ist ein normaler Stellenwechsel. Nach der Lehre, nach einer Pause oder bei einer internen Bewerbung braucht die Einleitung einen anderen Ansatz. Die sechs Paare zeigen typische schwache Einleitungen und eine überarbeitete Fassung. Alle Beispiele sind erfunden.

Situation ❌ Vorher ✅ Nachher
Nach dem Lehrabschluss «Ich habe soeben meine Lehre abgeschlossen und suche nun eine Stelle.» «Im Juli schliesse ich meine Lehre als Logistikerin EFZ ab. In meinem Lehrbetrieb war ich im letzten Jahr für den Wareneingang zuständig, genau die Aufgabe, für die Sie jemanden suchen.»
Wiedereinstieg nach einer Pause «Nach einer längeren Familienpause möchte ich wieder ins Berufsleben einsteigen.» «Nach vier Jahren Familienzeit steige ich ab Januar mit 60% wieder in die Buchhaltung ein. Zuvor habe ich sechs Jahre lang die Kreditoren eines KMU mit 40 Mitarbeitenden geführt.»
Interne Bewerbung «Wie Sie wissen, arbeite ich bereits in Ihrem Unternehmen.» «Seit drei Jahren arbeite ich im Kundendienst und kenne die häufigsten Fragen unserer Kundschaft. Dieses Wissen möchte ich als Teamleiterin im neuen Onboarding-Team einsetzen.»
Bewerbung aus Deutschland «Bezugnehmend auf Ihre Stellenanzeige bewerbe ich mich hiermit um die ausgeschriebene Position.» «Ihre Stelle als Pflegefachmann auf der Geriatrie spricht mich an, weil ich seit fünf Jahren auf einer geriatrischen Station in Konstanz arbeite. Ab Februar ziehe ich nach Schaffhausen.»
Teilzeit «Ich suche eine Teilzeitstelle und hoffe, dass dies möglich ist.» «Ihre Stelle als Grafikerin mit 50-60% passt zu meinem Modell: Seit zwei Jahren arbeite ich an drei Tagen pro Woche für eine Agentur in Winterthur und betreue dort vier Kundenmarken.»
Erneute Bewerbung «Ich habe mich bereits letztes Jahr bei Ihnen beworben, leider ohne Erfolg.» «Vor einem Jahr fehlte mir für eine Stelle bei Ihnen die Erfahrung mit SAP. Inzwischen arbeite ich seit zehn Monaten täglich damit und bewerbe mich deshalb erneut.»

Was haben alle Nachher-Fassungen gemeinsam? Sie nennen eine Zahl oder einen konkreten Fakt und verbinden die eigene Situation mit der Stelle. Die Pause, der Wohnortwechsel oder die frühere Absage werden kurz und sachlich erwähnt, ohne Entschuldigung. Mehr zu Bewerbungen aus dem Ausland zeigt der Beitrag Bewerbungsschreiben für die Schweiz.

Wie triffst du den Schweizer Ton?

Selbstbewusst in der Sache, bescheiden in der Form. Fakten und Ergebnisse darfst du klar nennen. Superlative, Ausrufezeichen und Selbstlob wirken dagegen schnell übertrieben. Zu viel Zurückhaltung schadet aber auch: Wer sich klein macht, gibt der Leserin keinen Grund, weiterzulesen. Die Tabelle zeigt den Unterschied.

Zu viel Passend Zu wenig
«Ich bin die ideale Besetzung für diese Stelle!» «Ihre drei Hauptanforderungen erfülle ich aus meiner jetzigen Stelle.» «Vielleicht bringe ich einige der gewünschten Fähigkeiten mit.»
«Mit mir steigern Sie Ihren Umsatz garantiert.» «In meiner Filiale ist der Umsatz 2025 um 6% gestiegen, unter anderem dank neuer Beratungstage.» «Ich habe auch ein wenig im Verkauf mitgeholfen.»
«Das ist mein absoluter Traumjob!» «Ihre Stelle verbindet zwei Bereiche, in denen ich gerne arbeite.» «Ich hoffe, dass ich für Sie infrage komme.»

Wie findest du die Mitte? Ersetz Adjektive durch Belege. «Ich bin sehr erfahren» klingt entweder übertrieben oder leer. «Ich arbeite seit sechs Jahren in der Disposition» sagt dasselbe und klingt weder laut noch leise.

Was ist in der Romandie und bei englischen Inseraten anders?

Die wichtigste Regel: Schreib die Einleitung und das ganze Bewerbungsschreiben in der Sprache des Inserats. In der Romandie nennen 43% der Arbeitgeber das Schreiben «sehr wichtig», in der Deutschschweiz 36% (JobCloud/LINK, 2022). Wer sich in Lausanne oder Genf bewirbt, investiert also besser noch etwas mehr Zeit.

Auch Englisch spielt eine Rolle: 23% der Erwerbstätigen nutzen es bei der Arbeit, Französisch 28% (BFS via SRF, 2023). Ein englisches Inserat bekommt eine englische Einleitung, auch wenn das Unternehmen in Zürich sitzt.

📋 Das ändert sich mit der Sprache:

Deutsch: kein Komma nach der Anrede, das nächste Wort beginnt gross: «Sehr geehrte Frau Bundi» und dann «Ab Frühling …»
Französisch: nach «Madame, Monsieur» oder «Madame Bundi» steht üblicherweise ein Komma
Englisch: «Dear Ms Bundi» mit oder ohne Komma, je nach britischem oder amerikanischem Stil
In allen Sprachen: Der erste Satz nimmt das Inserat auf, nicht die eigene Biografie

Übersetzt du eine deutsche Einleitung, lass sie nach Möglichkeit von jemandem mit der Zielsprache als Muttersprache gegenlesen. Wörtlich übersetzte Floskeln fallen in jeder Sprache auf.

Welche Fehler solltest du in der Einleitung vermeiden?

Die meisten Fehler in der Einleitung haben eines gemeinsam: Sie sprechen über dich, statt über die Stelle. Dazu kommen Formulierungen aus dem Amtsdeutsch, die in der Schweiz steif wirken. Eine ausführliche Liste mit besseren Sätzen für die zehn häufigsten Floskeln findest du im Beitrag zur Einleitung im Motivationsschreiben.

❌ Diese Fehler vermeidest du:

- Amtsdeutsch wie «Bezugnehmend auf» oder «hiermit»
- Mit der eigenen Biografie statt mit der Stelle beginnen
- Eigenschaften ohne Beleg: «motiviert», «teamfähig», «flexibel»
- Entschuldigungen für Pausen, Absagen oder fehlende Erfahrung
- Ein erster Satz mit mehr als 25 Wörtern
- Eine Einleitung, die auch auf jede andere Stelle passen würde
- «ß» statt «ss» bei Bewerbungen aus Deutschland

Ein schneller Test: Ersetz im ersten Satz den Firmennamen durch einen anderen. Passt der Satz immer noch? Dann ist er zu allgemein.

Checkliste: Einleitung im Bewerbungsschreiben

Geh diese Punkte durch, bevor du mit dem Hauptteil weitermachst. Eine Einleitung, die alle erfüllt, kommt meist mit zwei bis drei Sätzen und 40 bis 60 Wörtern aus.

Inhalt:

Aufhänger aus dem Stelleninserat
Eigener Beleg mit Zahl oder konkretem Fakt
Stelle genannt
Pause, Wechsel oder Absage kurz und sachlich erwähnt, falls relevant

Form und Ton:

Keine Floskeln und kein Amtsdeutsch
Selbstbewusst in der Sache, bescheiden in der Form
In der Sprache des Inserats
Firmennamen-Test bestanden

Häufige Fragen zur Einleitung im Bewerbungsschreiben

Darf die Einleitung im Bewerbungsschreiben mit «Ich» beginnen?

Ja, das ist kein Fehler. Problematisch ist nicht das Wort, sondern ein Einstieg, der nur über dich spricht. «Ich arbeite seit drei Jahren in der Einsatzplanung, genau Ihre Hauptanforderung» funktioniert. Besser wirkt oft ein erster Satz, der mit dem Unternehmen oder der Stelle beginnt.

Soll ich die Stelle in der Einleitung nennen, wenn sie schon im Betreff steht?

Ja, aber eingebaut statt als eigener Satz. Ein Satz wie «Hiermit bewerbe ich mich als …» wiederholt nur den Betreff. Nenn die Stelle besser am Ende der Einleitung, zum Beispiel: «Diese Erfahrung möchte ich als stellvertretende Filialleiterin bei Ihnen einbringen.»

Wie beginne ich die Einleitung bei einer internen Bewerbung?

Mit deinem Wissen über das Unternehmen. Du musst dich nicht vorstellen, sondern zeigen, was du aus deiner jetzigen Rolle mitbringst. Nenn Dauer und Bereich, zum Beispiel «Seit drei Jahren arbeite ich im Kundendienst», und verbinde es direkt mit der neuen Aufgabe.

Wie klinge ich in der Einleitung selbstbewusst, ohne zu übertreiben?

Ersetz Adjektive durch Belege. Statt «Ich bin sehr erfahren» schreibst du «Ich arbeite seit sechs Jahren in der Disposition». Statt «Traumjob» nennst du einen konkreten Grund. Zahlen und Fakten klingen sicher, ohne laut zu sein. Superlative und Ausrufezeichen lässt du weg.

Was muss ich bei einer Bewerbung aus Deutschland in der Einleitung beachten?

Verzichte auf Amtsdeutsch wie «Bezugnehmend auf Ihre Stellenanzeige» und schreib «ss» statt «ß». Nenn früh, ab wann du in der Schweiz wohnst oder arbeiten kannst. Das beantwortet die erste Frage der Leserin. In der Schweiz sind Bewerbungsschreiben und Motivationsschreiben meist dasselbe Dokument.

Weiterführende Ressourcen

Fazit: Die Einleitung beginnt im Inserat

Eine gute Einleitung im Bewerbungsschreiben entsteht nicht durch einen genialen Einfall, sondern durch genaues Lesen. Wer im Stelleninserat findet, was dem Unternehmen wichtig ist, und es mit einem eigenen Beleg verbindet, hat den ersten Satz schon fast geschrieben.

Der Rest ist Überarbeitung: Floskeln streichen, Adjektive durch Fakten ersetzen, kürzen. Drei Entwürfe sind dafür kein Umweg, sondern der normale Weg. Und wenn der Firmennamen-Test am Ende nicht mehr funktioniert, stimmt die Einleitung.

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