Schweizer CV: Was anders ist als in Deutschland und international
Schweizer CV vs. deutscher Lebenslauf: Foto, Angaben, Länge, Abschlüsse. Rund 35% der Erwerbstätigen in der Schweiz haben keinen Schweizer Pass. Mit...
Bewerbungsschreiben Schweiz vs. Deutschland: Begriffe, Schreibweise, Anrede, Ton und Bewilligung. Rund 329'000 Deutsche leben in der Schweiz.
Wer sich aus Deutschland in der Schweiz bewirbt, kann sein Anschreiben nicht einfach übernehmen. Schon die Begriffe sind anders: In der Schweiz heisst das Bewerbungsschreiben meist Motivationsschreiben, in Deutschland ist das ein eigenes Dokument. Dazu kommen Unterschiede bei Schreibweise, Anrede, Grussformel und Ton. Dieser Beitrag zeigt alle Unterschiede in Tabellen, mit Beispiel im direkten Vergleich und einer Checkliste.
Wie viele Menschen betrifft das? Deutsche sind die zweitgrösste ausländische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz: Ende September 2024 lebten 329'486 deutsche Staatsangehörige hier, nur aus Italien waren es mehr (SEM, 2024). Dazu kommen viele Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Baden-Württemberg.
Die Sprache ist dieselbe, die Konventionen nicht. Ein «ß», ein Komma nach der Anrede oder «Mit freundlichen Grüßen» verraten sofort, dass das Schreiben nicht für die Schweiz verfasst wurde. Und das Schreiben zählt: 74% der Schweizer Arbeitgeber finden es wichtig oder sehr wichtig (JobCloud/LINK, 2022).
In der Schweiz werden Bewerbungsschreiben, Anschreiben und Motivationsschreiben meist gleich verwendet: für den einseitigen Brief, der den Lebenslauf begleitet. In Deutschland ist das Motivationsschreiben dagegen ein eigenes Dokument. Verlangt eine Schweizer Stellenausschreibung ein «Motivationsschreiben», schickst du also dein normales, einseitiges Anschreiben.
| Begriff | In Deutschland | In der Schweiz |
|---|---|---|
| Anschreiben / Bewerbungsschreiben | einseitiger Brief zur Stellenbewerbung | dasselbe, der Begriff ist aber seltener |
| Motivationsschreiben | eigenes, oft längeres Dokument, z. B. für Studienplätze, Stipendien oder Auslandsaufenthalte | meist der übliche Begriff für das Anschreiben zur Stellenbewerbung |
| «Dritte Seite» | optionale Zusatzseite mit Motivation oder Kurzprofil | selten verlangt, ein Kurzprofil gehört eher in den Lebenslauf |
Eine Ausnahme gibt es: Bei Hochschulen, Stipendien oder Weiterbildungen kann auch in der Schweiz ein längeres Motivationsschreiben verlangt sein. Die Ausschreibung nennt dann meist eine Länge. Wie das Schreiben für eine Stellenbewerbung aufgebaut ist, zeigt der Guide Motivationsschreiben Schweiz.
Die grössten Unterschiede betreffen Schreibweise, Anrede und Grussformel. In der Schweiz gibt es kein «ß», nach der Anrede steht üblicherweise kein Komma, und der erste Satz beginnt gross (medi-karriere.ch). «Mit freundlichen Grüssen» gilt in der Schweiz als veraltet (Südostschweiz).
| Element | Deutschland | Schweiz |
|---|---|---|
| Rechtschreibung | «ß» nach langem Vokal, z. B. «Grüße» | immer «ss», z. B. «Grüsse» |
| Anrede | «Sehr geehrte Frau Meier,» danach klein weiter | «Sehr geehrte Frau Meier» ohne Komma, danach gross weiter |
| Grussformel | «Mit freundlichen Grüßen» | «Freundliche Grüsse» |
| Unterschrift | häufig eingescannt empfohlen | bei digitalen Bewerbungen nicht nötig, nur der Name |
| Layout | oft nach DIN 5008 | keine verbindliche Norm, schlicht und übersichtlich |
| Zahlen und Beträge | EUR 65.000 | CHF 85'000, Tausender mit Apostroph |
Die genauen Werte für Schrift, Ränder und Abstände findest du im Beitrag Motivationsschreiben Aufbau.
Viele Wörter sind in beiden Ländern verständlich, wirken in der Schweiz aber fremd. Warum lohnt sich der Wechsel trotzdem? Wer die Schweizer Begriffe verwendet, zeigt, dass er sich mit dem Arbeitsmarkt beschäftigt hat. Das gilt besonders für Abschlüsse, Lohn und Bewilligungen. Übertreib es aber nicht mit Helvetismen, sonst wirkt der Text aufgesetzt.
| In Deutschland üblich | In der Schweiz üblich |
|---|---|
| Gehalt, Gehaltsvorstellung | Lohn, Lohnvorstellung (Salär in manchen Branchen) |
| Teilzeit 80 Prozent | Pensum 80% |
| Abitur | Matura (gymnasiale Maturität) |
| Ausbildung, Berufsausbildung | Lehre, berufliche Grundbildung mit EFZ |
| Aufenthaltstitel | Bewilligung, Ausweis B, C oder G |
| Handynummer | Mobilnummer, im Format 079 123 45 67 |
| Krankenhaus | Spital |
Schweizer Bewerbungsschreiben sind in der Regel etwas zurückhaltender als deutsche. Statt starker Selbstaussagen überzeugen Belege, und Teamerfolge kommen besser an als Alleingänge. Das heisst nicht, dass du dich kleinmachen sollst. Ergebnisse mit Zahlen sind auch in der Schweiz ausdrücklich gewünscht.
| ❌ Wirkt in der Schweiz zu direkt | ✅ Passt besser |
|---|---|
| «Ich bin die ideale Besetzung für diese Stelle.» | «Meine Erfahrung im Ausbau von Vertriebsteams passt zu Ihren Plänen.» |
| «Ich habe den Umsatz verdoppelt.» | «Mit meinem Team haben wir den Umsatz in zwei Jahren verdoppelt.» |
| «Ich erwarte eine anspruchsvolle Aufgabe.» | «Mich reizt an der Stelle besonders, dass …» |
| «Über eine Einladung würde ich mich freuen.» | «Gerne zeige ich Ihnen in einem Gespräch, wie …» |
Ist der deutsche Stil also falsch? Nein, er wirkt in der Schweiz nur schnell zu fordernd. Wie du deine Erfolge belegst, ohne zu prahlen, zeigt der Guide zum Hauptteil des Motivationsschreibens.
Bei einer Bewerbung aus Deutschland kommen drei Themen dazu: dein Aufenthaltsstatus, die Einordnung deiner Abschlüsse und eine Lohnvorstellung in Schweizer Franken. Auch EU- und EFTA-Angehörige brauchen für einen Wohnsitz in der Schweiz eine Bewilligung (SEM). Das Bewerbungsschreiben sollte zeigen, dass du das bedacht hast.
Für die Anerkennung ausländischer Diplome ist in vielen Fällen das SBFI zuständig, bei reglementierten Berufen wie in der Pflege oder Medizin ist eine Anerkennung Pflicht. Wie du Nationalität und Bewilligung korrekt angibst, zeigt der Beitrag Persönliche Daten im Lebenslauf. Die Lohnvorstellung erklärt der Artikel Gehaltsvorstellung in der Bewerbung.
Wie gross ist der Unterschied wirklich? Am deutlichsten wird er am selben Ausschnitt. Jonas Weber aus Freiburg im Breisgau bewirbt sich als Projektleiter Bau bei einer Generalunternehmung in Basel. Person und Firma sind erfunden.
| Was sich verändert hat | Warum |
|---|---|
| Anrede und Grussformel | Kein Komma, Grossschreibung, «Freundliche Grüsse», keine Unterschrift |
| «ß» ersetzt | Schweizer Rechtschreibung |
| Selbstlob ersetzt | «Ideale Besetzung» wird zu einem Projekt mit Zahlen und Team |
| Betrag in CHF | Schweizer Leser rechnen in Franken, Tausender mit Apostroph |
| Ausbildung eingeordnet | «Lehre» statt «Ausbildung», Hochschule genannt |
| Grenzgänger und Eintritt | Klärt die naheliegende Frage nach Wohnort und Bewilligung |
| Konjunktiv ersetzt | «würde mich freuen» wird zu «Gerne zeige ich Ihnen» |
Geh diese Punkte durch, bevor du dein deutsches Anschreiben in die Schweiz schickst. Lass den Text wenn möglich von jemandem aus der Schweiz gegenlesen. Kleinigkeiten fallen Einheimischen sofort auf.
Schreibweise:
Kein «ß», überall «ss»
Anrede ohne Komma, danach Grossschreibung
«Freundliche Grüsse» und dein Name, keine Unterschrift
Beträge in CHF mit Apostroph
Inhalt:
Schweizer Begriffe für Lohn, Pensum, Abschlüsse
Belege statt Selbstlob, Teamerfolge genannt
Bewilligung oder Grenzgänger-Status geklärt
Bezug zur Schweiz oder zur Region erwähnt
Unterlagen:
Lebenslauf ebenfalls angepasst
Abschlüsse mit Originaltitel und Einordnung
Alles als PDF im gleichen Design
Auch der Lebenslauf ist in der Schweiz etwas anders aufgebaut. Was dort zu beachten ist, zeigt der Beitrag Schweizer CV: Was anders ist als in Deutschland.
In der Schweiz meist ja: Beide Begriffe meinen den einseitigen Brief, der die Stellenbewerbung begleitet. «Motivationsschreiben» ist hier sogar der geläufigere Begriff. In Deutschland ist das Motivationsschreiben dagegen ein eigenes, oft längeres Dokument, etwa für Studienplätze, Stipendien oder als zusätzliche «dritte Seite».
Dein normales, einseitiges Anschreiben zur Stelle. Ein zusätzliches, längeres Motivationsschreiben wie in Deutschland ist bei Stellenbewerbungen nicht gemeint. Anders ist es bei Hochschulen, Stipendien oder Weiterbildungen: Dort kann ein längeres Schreiben verlangt sein, die Ausschreibung nennt dann meist die gewünschte Länge.
Ja, kurz. Hast du schon einen Ausweis B, C oder G, steht er im Lebenslauf. Wenn nicht, reicht ein Satz wie «Als deutsche Staatsangehörige beantrage ich die Bewilligung bei Stellenantritt.» Auch EU- und EFTA-Angehörige brauchen für einen Wohnsitz in der Schweiz eine Bewilligung (SEM).
Mit dem Originaltitel und, wo hilfreich, der Schweizer Entsprechung: «Abitur (entspricht der gymnasialen Matura)» oder «Ausbildung zum Bauzeichner» als Lehre. Bei Hochschulabschlüssen nennst du Abschluss und Hochschule. Bei reglementierten Berufen wie Pflege oder Medizin brauchst du zusätzlich eine offizielle Anerkennung.
Nur mit Anpassungen. Ersetze «ß» durch «ss», entferne das Komma nach der Anrede, schreib «Freundliche Grüsse» und lass die Unterschrift weg. Dazu kommen Beträge in CHF, Schweizer Begriffe wie Lohn und Pensum und ein etwas zurückhaltenderer Ton mit Belegen statt Selbstlob.
Ein deutsches Anschreiben funktioniert in der Schweiz nur mit Anpassungen. Die meisten sind schnell gemacht: «ss» statt «ß», Anrede ohne Komma, «Freundliche Grüsse», keine Unterschrift, Beträge in CHF. Etwas mehr Arbeit macht der Ton, der in der Schweiz Belege statt Selbstlob verlangt.
Dazu kommen die Fragen, die jede Bewerbung aus Deutschland mitbringt: Bewilligung, Abschlüsse, Lohn. Wer sie im Schreiben oder Lebenslauf kurz klärt, nimmt der Leserin die wichtigsten Zweifel ab, bevor sie entstehen.
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