Bewerbungsmappe erstellen in der Schweiz: Was hineingehört und in welcher Reihenfolge
Bewerbungsmappe Schweiz: Welche Dokumente und Zeugnisse, welche Reihenfolge, ein PDF oder mehrere? 59% der CVs sind zu lang. Mit Checkliste, Muster...
Was gehört in einen Lebenslauf? Pflicht, optional, weglassen: Unsere Auswertung von 340 CVs zeigt, 49% nennen unnötig den Zivilstand. Mit Checkliste.
Was gehört in einen Lebenslauf und was nicht? Dieser Beitrag geht jeden Bestandteil durch und sagt dir klar, was hineingehört, was optional ist und was du streichen kannst. Grundlage sind unsere Auswertung von 340 Lebensläufen und die rechtlichen Regeln in der Schweiz.
Recruiter entscheiden laut einer Eyetracking-Studie von Ladders im Schnitt nach 7,4 Sekunden, ob sie weiterlesen. Jede Zeile im Lebenslauf muss sich diesen Platz verdienen. Was passiert, wenn dort Dinge stehen, die niemand braucht?
Dann fehlt der Platz für das, was zählt. In unserer Auswertung von 340 Lebensläufen nannten 49% den Zivilstand, gleichzeitig hatten 26% Stellen ganz ohne Beschreibung. Zu viel Privates, zu wenig Inhalt: Genau das klärt diese Übersicht.
In jeden Schweizer Lebenslauf gehören Kopfbereich mit Foto, Berufserfahrung, Ausbildung, Kenntnisse und Sprachen. Fehlt einer dieser Teile, fällt das auf. In unserer Auswertung von 340 Lebensläufen hatten 26% Stellen ohne Beschreibung, bei 20% fehlten die persönlichen Angaben und bei 13% die Kenntnisse ganz.
| Bestandteil | Was genau hineingehört | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Kopfbereich | Name, Adresse, Mobilnummer, E-Mail, Geburtsdatum, Foto. Bei Ausländern Nationalität und Ausweis | Persönliche Daten |
| Berufserfahrung | Zeitraum (MM.JJJJ), Jobtitel, Arbeitgeber, Ort, Pensum, drei bis fünf Punkte mit Ergebnissen | Berufserfahrung |
| Ausbildung | Abschlüsse ab Berufslehre oder Matura mit exakter Bezeichnung, etwa "Kauffrau EFZ" | Ausbildung |
| Kenntnisse | Konkrete Programme, Methoden und Fachwissen mit Niveau | EDV-Kenntnisse |
| Sprachen | Alle relevanten Sprachen mit Niveau A1 bis C2 | Sprachkenntnisse |
Die Berufslehre gehört übrigens auch dann hinein, wenn du später studiert hast. In der Schweiz hat das EFZ einen hohen Stellenwert und zeigt Praxiserfahrung. Wie die einzelnen Teile angeordnet werden, erklärt der Beitrag Lebenslauf Schweiz.
Optional sind Angaben, die nur bei bestimmten Stellen etwas aussagen: Führerausweis, Kurzprofil, LinkedIn, Referenzen, Hobbys oder Militärdienst. Der Fehler liegt meist darin, sie ohne Grund aufzuführen. In unserer Auswertung von 340 Lebensläufen stand der Führerausweis bei 56% ohne jeden Bezug zur Stelle.
| Angabe | Wann sinnvoll? |
|---|---|
| Kurzprofil | Bei Quereinstieg, Führungsrollen oder vielen Stationen: 2-3 Zeilen ganz oben |
| Führerausweis | Wenn die Stelle Fahren verlangt, etwa im Aussendienst, in der Logistik oder im Handwerk |
| LinkedIn, Portfolio | Wenn das Profil aktuell ist, Portfolio vor allem in kreativen und technischen Berufen |
| Weiterbildungen | Wenn sie zur Stelle passen, etwa CAS, DAS, MAS oder Branchenzertifikate |
| Referenzen | Zwei bis drei Personen mit Einverständnis oder "Referenzen auf Anfrage" |
| Hobbys, Ehrenamt | Maximal drei, wenn sie etwas über dich aussagen, etwa Vereinsvorstand oder Samariter |
| Militärdienst | Nur mit Führungsfunktion, dann wie eine Stelle beschreiben |
| Publikationen | In Wissenschaft, Forschung und spezialisierten Fachrollen |
Und das Foto? Rechtlich ist es optional, in der Schweiz aber üblich. In unserer Auswertung fehlte es bei 14% der Lebensläufe, bei weiteren 36% war es ungenügend. Tipps findest du im Beitrag Bewerbungsfoto im Lebenslauf.
Nicht hinein gehören Angaben, die nichts über deine Eignung aussagen. Arbeitgeber dürfen laut Art. 328b OR nur Daten bearbeiten, die deine Eignung für die Stelle betreffen. Trotzdem nannten in unserer Auswertung 49% den Zivilstand, 42% Heimat- oder Geburtsort und 35% Kinder oder Familie.
Warum stehen diese Angaben so oft drin? Viele Vorlagen und ältere Ratgeber stammen aus einer Zeit, in der der Lebenslauf eine Art Personalakte war. Wer seinen CV über Jahre nur ergänzt, schleppt diese Altlasten mit. Ein Blick mit frischen Augen lohnt sich. Die Ausnahme: Bei kirchlichen Arbeitgebern kann die Konfession relevant sein.
Falsche Angaben können den Arbeitsvertrag gefährden. Wer bei Qualifikationen oder Werdegang bewusst täuscht, riskiert, dass der Arbeitgeber den Vertrag wegen absichtlicher Täuschung nach Art. 28 OR anficht. Auch eine fristlose Kündigung nach Art. 337 OR ist möglich, je nach Schwere.
Gefälschte Diplome oder Zeugnisse können zudem als Urkundenfälschung nach Art. 251 StGB strafbar sein. Lohnt sich das Risiko? Nein. Ehrlich darstellen heisst aber nicht, alles zu erzählen. Du darfst weglassen, was privat ist oder nichts mit der Stelle zu tun hat. Und du darfst Sprachkenntnisse realistisch einstufen, statt "verhandlungssicher" zu schreiben, wenn es nur für B1 reicht.
Die Bestandteile bleiben gleich, die Gewichtung ändert sich. Zwei Seiten sind fast immer genug: In unserer Auswertung von 340 Lebensläufen waren 59% länger als zwei Seiten, meist wegen Angaben, die für die Stelle keine Rolle spielen. Wer gezielt auswählt, bleibt kürzer und wirkt klarer.
| Situation | Was du anders gewichtest |
|---|---|
| Berufseinsteiger | Ausbildung vor Berufserfahrung, Praktika, Projekte und Nebenjobs mit Bezug zur Stelle |
| Quereinsteiger | Kurzprofil, das den Wechsel begründet, übertragbare Ergebnisse, passende Weiterbildungen |
| Führungskräfte | Executive Summary, Budget, Führungsspanne, strategische Ergebnisse, VR-Mandate |
| Internationale Firmen | Oft ohne Foto und Geburtsdatum, häufig auf Englisch |
| IT und Tech | Technologien konkret, GitHub oder Portfolio, Projekte |
| Gesundheitswesen | Diplome und Anerkennungen vollständig, Sprachen, Schichterfahrung |
| Kreativbranche | Portfolio-Link oben, Projekte vor Arbeitgebern, mehr Gestaltungsfreiheit |
Mehr dazu in den Beiträgen Lebenslauf für Berufseinsteiger, Lebenslauf für Führungskräfte und Schweizer CV im Vergleich.
Bewährt hat sich diese Reihenfolge, antichronologisch innerhalb jedes Abschnitts. Eine feste Ordnung hilft: In unserer Auswertung hatten 52% der 340 Lebensläufe eine unübersichtliche Struktur. Laut Ladders schneiden klare Abschnitte mit eindeutigen Überschriften am besten ab.
Berufseinsteiger stellen die Ausbildung vor die Berufserfahrung. Wie du die Abschnitte Schritt für Schritt füllst, zeigt die Anleitung Lebenslauf erstellen.
Geh deinen Lebenslauf mit dieser Liste durch, bevor du ihn verschickst.
Gehört hinein:
Name, Adresse, Mobilnummer, seriöse E-Mail
Geburtsdatum
Professionelles Foto
Nationalität und Ausweis (nur bei Ausländern)
Berufserfahrung mit Ergebnissen
Ausbildung ab Lehre oder Matura
Kenntnisse mit Niveau
Sprachen nach A1 bis C2
Nur wenn relevant:
Kurzprofil
Führerausweis
LinkedIn oder Portfolio
Weiterbildungen
Referenzen
Hobbys und Ehrenamt (max. drei)
Gestrichen:
Zivilstand, Kinder, Familie
Heimat- und Geburtsort
Primar- und Sekundarschule
Religion, Politik, Gesundheit
AHV-Nummer und Lohnvorstellung
Kontaktdaten, Geburtsdatum, Foto, Berufserfahrung, Ausbildung, Kenntnisse und Sprachen. Ausländische Bewerbende ergänzen Nationalität und Ausweis. In einer Truast-Auswertung von 340 Lebensläufen fehlten bei 20% die persönlichen Angaben und bei 13% die Kenntnisse, beides fällt Recruitern sofort auf.
Nein. Der Zivilstand sagt nichts über deine Eignung aus und gilt heute als überholt. Trotzdem nannten ihn in einer Truast-Auswertung 49% der Lebensläufe. Dasselbe gilt für Kinder, Heimatort und Geburtsort. Nutze den Platz lieber für Ergebnisse aus deiner Berufserfahrung.
Nein, Hobbys sind optional. Sie lohnen sich, wenn sie etwas über dich aussagen, etwa ein Vereinsvorstand, Ehrenamt oder Teamsport. Nenne höchstens drei und bleib konkret: "Halbmarathon, Vorstand Turnverein" sagt mehr als "Sport und Reisen". Mehr dazu im Beitrag zu Hobbys im Lebenslauf.
Ja. Du darfst weglassen, was privat ist oder nichts mit der Stelle zu tun hat. Lügen darfst du nicht: Falsche Angaben zu Qualifikationen können eine Anfechtung des Vertrags nach Art. 28 OR oder eine fristlose Kündigung nach Art. 337 OR nach sich ziehen. Längere Lücken erklärst du kurz.
Nein, sobald du eine Berufslehre, Matura oder ein Studium abgeschlossen hast. In einer Truast-Auswertung listeten 23% der Lebensläufe noch Primar- und Sekundarschule auf. Nur wer noch in der obligatorischen Schule ist oder gerade eine Lehrstelle sucht, nennt den Schulabschluss.
In einen Schweizer Lebenslauf gehört alles, was deine Eignung zeigt: Kontakt, Foto, Berufserfahrung mit Ergebnissen, Ausbildung, Kenntnisse und Sprachen. Was privat ist oder nichts mit der Stelle zu tun hat, lässt du weg.
Unsere Auswertung von 340 Lebensläufen zeigt: Unnötige Angaben sind häufiger als fehlende. Wer streicht, gewinnt Platz für das, was Recruiter wirklich lesen wollen.
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