Bewerbung schreiben in der Schweiz: So gehst du Schritt für Schritt vor
Bewerbung schreiben Schweiz: Unterlagen, Ablauf in 5 Schritten, typische Fehler. Im Schnitt dauert eine Bewerbung 60 Minuten. Mit Checkliste und FAQ.
Schlusssatz im Bewerbungsschreiben: aus dem Hauptteil ableiten, Kündigungsfrist und Lohn richtig nennen, Grussformel in 4 Sprachen. 74% der Arbeitgeber lesen mit.
Der Schlusssatz im Bewerbungsschreiben hat eine einfache Aufgabe: Er führt zum Gespräch. Dafür reichen zwei Sätze, wenn sie zum Rest deines Schreibens passen. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du den Schlusssatz aus deinem Hauptteil ableitest, wie du Kündigungsfrist, Lohnvorstellung oder Umzug sauber unterbringst, wie der Schluss in E-Mail und Bewerbungsportal aussieht und welche Grussformel in welcher Sprache passt.
Liest überhaupt jemand bis zum Schluss? In der Schweiz ja: 74% der Arbeitgeber halten das Bewerbungsschreiben für wichtig oder sehr wichtig (JobCloud/LINK, 2022). Und am Schluss stehen oft genau die Angaben, die für die Planung zählen: ab wann du verfügbar bist und mit welchem Pensum.
Auch die Grussformel hat sich verändert. «Mit freundlichen Grüssen» gilt in der Schweiz inzwischen als veraltet, «Freundliche Grüsse» ist der Standard (Südostschweiz). Eine Unterschrift brauchst du bei einer digitalen Bewerbung nicht.
Der Schlusssatz äussert den Wunsch nach einem Gespräch und nennt, falls nötig, deine Verfügbarkeit. Er wiederholt keine Argumente und bringt keine neuen. Zwei Sätze reichen, danach folgen «Freundliche Grüsse» und dein Name. Wer liest, soll am Ende wissen, was als Nächstes passieren kann.
Wo der Schluss im Gesamtaufbau steht, zeigt der Beitrag zum Aufbau eines Bewerbungsschreibens. Formulierungen für Gesprächswunsch und Verfügbarkeit im Vergleich findest du im Beitrag zum Schluss im Motivationsschreiben.
Ein guter Schlusssatz greift auf, womit dein Hauptteil endet. Statt «Gerne überzeuge ich Sie in einem Gespräch von meiner Eignung» bietest du an, genau das zu zeigen, was du vorher belegt hast. So wirkt der Schluss nicht wie ein angehängter Standardsatz, sondern wie der logische letzte Schritt.
| Dein Hauptteil endet mit … | Passender Schlusssatz |
|---|---|
| einem Projekt oder Ergebnis | «Gerne erzähle ich Ihnen im Gespräch mehr darüber, wie wir die neue Prüfmethode eingeführt haben.» |
| einem Plan des Unternehmens | «Wie ich Sie beim Ausbau des Labors unterstützen kann, bespreche ich gerne persönlich mit Ihnen.» |
| einer Weiterbildung | «Gerne zeige ich Ihnen im Gespräch, wie ich das Gelernte bei Ihnen einsetzen möchte.» |
| einer offenen Lücke | «Im Gespräch erkläre ich Ihnen gerne, wie ich mich in SAP einarbeite.» |
| einer praktischen Fähigkeit | «Gerne zeige ich Ihnen bei einem Schnuppertag, wie ich arbeite.» |
Warum nicht einfach «Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung»? Der Satz ist nicht falsch, aber er könnte unter jedem Schreiben stehen. Mit einem Bezug zum Inhalt zeigst du ein letztes Mal, dass du dieses Schreiben für diese Stelle verfasst hast. Die Beispiele in der Tabelle sind erfunden.
Manche Angaben passen nirgends sonst hin: Eintrittstermin, Pensum, Lohnvorstellung, Umzug, Reisebereitschaft oder Arbeitsbewilligung. Sie gehören in den Schlussabsatz, direkt vor oder nach dem Gesprächswunsch. Nenn nur, was das Inserat verlangt oder was für die Entscheidung wichtig ist. Jede Angabe bekommt einen kurzen Satz.
| Angabe | Wann nennen | Beispiel |
|---|---|---|
| Eintritt | Wenn das Inserat einen Termin nennt oder du nicht sofort beginnen kannst | «Meine Kündigungsfrist beträgt zwei Monate, ich bin ab dem 01.03.2027 verfügbar.» |
| Pensum | Wenn du ein anderes Pensum als ausgeschrieben suchst | «Ich suche ein Pensum von 80%, ideal mit einem freien Freitag.» |
| Lohnvorstellung | Nur wenn ausdrücklich verlangt | «Meine Lohnvorstellung liegt bei CHF 82'000 bis 86'000 brutto pro Jahr, inklusive 13. Monatslohn.» |
| Umzug | Wenn du heute weit entfernt wohnst | «Ab Januar wohne ich in Basel und bin für Gespräche vor Ort flexibel.» |
| Reisebereitschaft | Wenn das Inserat Reisen erwähnt | «Die Einsätze bei Kundinnen in der ganzen Schweiz passen gut zu mir.» |
| Arbeitsbewilligung | Wenn du aus dem Ausland kommst | «Als deutsche Staatsangehörige beantrage ich die Aufenthaltsbewilligung mit dem Arbeitsvertrag.» |
Wie lang ist deine Kündigungsfrist? Wenn im Vertrag nichts anderes steht, gilt nach der Probezeit im ersten Dienstjahr ein Monat, im zweiten bis neunten Dienstjahr zwei Monate und danach drei Monate, jeweils auf Ende Monat. In der Probezeit sind es sieben Tage (SECO). Prüf aber zuerst deinen Arbeitsvertrag und einen allfälligen GAV, denn dort stehen oft längere Fristen.
Bei Bewerbungen aus dem EU/EFTA-Raum brauchst du für eine Anstellung in der Schweiz eine Bewilligung, die du in der Regel mit dem Arbeitsvertrag beantragst (SEM). Ein kurzer Satz im Schluss beantwortet die Frage, bevor sie gestellt wird.
Viele Bewerbungen bestehen heute aus zwei Texten: dem Bewerbungsschreiben als PDF und einer Begleit-E-Mail oder einem Textfeld im Bewerbungsportal. Der Schluss ist überall nötig, aber nicht überall gleich. Im PDF steht der ausführliche Schluss, in E-Mail und Portal reicht eine kurze Fassung, die auf die Unterlagen verweist.
Wiederhol in der E-Mail nicht das ganze Schreiben. Zwei bis drei Sätze mit Stelle, Anhängen und Erreichbarkeit genügen. Wie du die Unterlagen als Paket zusammenstellst, zeigt der Beitrag Bewerbungsschreiben für die Schweiz.
Die Grussformel richtet sich nach der Sprache des Inserats. Auf Deutsch ist «Freundliche Grüsse» in der Schweiz der Standard und passt in jeder Branche. Auf Französisch, Italienisch und Englisch gibt es eigene Formeln, die du mit der passenden Anrede kombinierst. In der Romandie nennen 43% der Arbeitgeber das Bewerbungsschreiben «sehr wichtig» (JobCloud/LINK, 2022).
| Sprache | Anrede | Grussformel |
|---|---|---|
| Deutsch | Sehr geehrte Frau Rohner (ohne Komma) | Freundliche Grüsse |
| Französisch | Madame Rohner, (mit Komma) | Meilleures salutations, formeller: Je vous prie d'agréer, Madame, mes salutations distinguées. |
| Italienisch | Gentile Signora Rohner, | Cordiali saluti, formeller: Distinti saluti |
| Englisch | Dear Ms Rohner | Kind regards, formeller: Yours sincerely |
«Beste Grüsse» oder «Herzliche Grüsse» sind auf Deutsch nicht falsch, wirken aber persönlicher. Sie passen eher nach einem Gespräch oder wenn das Inserat locker formuliert ist. Abkürzungen wie «MfG» und «Freundlichst» lässt du weg.
Dann darfst du im Bewerbungsschreiben auch duzen. Manche Unternehmen, vor allem Start-ups und einige Detailhändler, schreiben ihre Inserate bewusst per Du. Übernimm die Anrede des Inserats, aber bleib im Ton sachlich. Locker heisst nicht salopp: Englische Floskeln wie «Let's talk» oder «Cheers» passen auch in einer Du-Bewerbung nicht.
Bist du unsicher, ob das Du nur im Inserat gilt? Dann bleib beim Sie. Ein höfliches Sie ist nie ein Fehler, ein unpassendes Du schon eher.
Leonie Fässler, Laborantin EFZ Fachrichtung Chemie, bewirbt sich bei der Beispiel Labor AG in Basel. Person und Firma sind erfunden. Das Inserat verlangt eine Lohnvorstellung, Leonie wohnt heute in Bern und hat eine Kündigungsfrist von zwei Monaten. Ihr Hauptteil endet mit der Einführung einer neuen Prüfmethode.
Der überarbeitete Schluss ist etwa gleich lang, enthält aber drei Informationen mehr. Jeder Satz hat eine Aufgabe: Gesprächswunsch mit Bezug, Verfügbarkeit mit Umzug, verlangte Lohnangabe. Wie Leonies Hauptteil aussehen könnte, zeigt der Beitrag zum Hauptteil des Bewerbungsschreibens.
Die meisten Fehler im Schlusssatz entstehen, weil er zuletzt und schnell geschrieben wird. Er wiederholt dann den Hauptteil, steckt voller Konjunktive oder vergisst eine Angabe, die das Inserat verlangt. Prüf deinen Schluss deshalb gegen das Inserat, nicht nur gegen dein Sprachgefühl.
Ein letzter Test: Lies nur den Schlussabsatz und das Inserat. Beantwortet dein Schluss alle Fragen, die das Inserat zu Eintritt, Pensum und Lohn stellt? Dann ist er vollständig.
Geh diese Punkte durch, bevor du das Schreiben als PDF speicherst und die E-Mail verfasst. Ein vollständiger Schluss hat meist zwei bis vier Sätze.
Inhalt:
Gesprächswunsch mit Bezug zum Hauptteil
Eintritt oder Kündigungsfrist, falls relevant
Lohnvorstellung als Jahreslohn, falls verlangt
Umzug, Pensum oder Bewilligung, falls relevant
Form:
Grussformel in der Sprache des Inserats
Auf Deutsch «Freundliche Grüsse» und dein Name, ohne Unterschrift
Kurze Fassung für E-Mail oder Portal
Im Schlussabsatz, direkt nach dem Gesprächswunsch, und nur, wenn das Inserat ausdrücklich danach fragt. Nenn den Jahreslohn brutto als Bandbreite, zum Beispiel «CHF 82'000 bis 86'000», und schreib dazu, ob der 13. Monatslohn eingerechnet ist. Eine Begründung brauchst du nicht.
Die Frist aus deinem Vertrag. Steht dort nichts anderes, gilt in der Probezeit eine Kündigungsfrist von sieben Tagen. Nach der Probezeit sind es im ersten Dienstjahr ein Monat, ab dem zweiten zwei Monate. Schreib dann einfach: «Ich bin kurzfristig verfügbar» oder nenn das konkrete Datum.
Besser nicht. Ein PS wirkt im Bewerbungsschreiben wie ein vergessener Gedanke. Was wichtig ist, gehört in den Hauptteil oder in den Schlussabsatz. Einzige Ausnahme: ein kurzer Hinweis auf ein Arbeitsbeispiel oder Portfolio mit Link, wenn er im Text keinen Platz hat. Auch dann reicht meist ein Satz im Schluss.
Mit zwei bis drei Sätzen: Stelle nennen, auf die Anhänge verweisen und deine Telefonnummer angeben. Danach folgen «Freundliche Grüsse» und dein Name. Den ausführlichen Gesprächswunsch und die Zusatzangaben lässt du im Bewerbungsschreiben, damit die E-Mail kurz bleibt. Ein Betreff wie «Bewerbung als Laborantin» hilft beim Zuordnen.
Ja, wenn das Inserat dich duzt. Übernimm dann die Anrede, zum Beispiel «Hallo Lea», und schliess mit «Liebe Grüsse», «Herzliche Grüsse» oder «Freundliche Grüsse». Bleib sachlich und verzichte auf englische Floskeln. Bist du unsicher, ob das Du gewünscht ist, bleib beim Sie.
Ein guter Schlusssatz im Bewerbungsschreiben ist kein Zufallstreffer. Er nimmt den stärksten Beleg aus dem Hauptteil auf, beantwortet die Fragen des Inserats zu Eintritt, Pensum und Lohn, und endet mit «Freundliche Grüsse» und deinem Namen.
Für E-Mail und Bewerbungsportal schreibst du eine kurze Fassung. Bei französischen, italienischen oder englischen Inseraten wechselst du auch Anrede und Grussformel. Und wenn das Inserat dich duzt, darfst du zurückduzen, aber nicht salopp werden.
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